Touren in der Schweiz

Kreuzberg I (1884m), Kombi Nordost / Kolonnentüürli / Alter Nord

25.07.2014

Die Kreuzberge – schöner können sich urzeitliche Kalkplatten nicht senkrecht in den
Himmel falten.

Kreuzberg I und II


Eigentlich hätte die Tour bereits eine Woche früher stattfinden sollen. Ich bin auch wie ausgemacht in aller Herrgottsfrühe in den Stuttgarter Kessel zu Thomas Wohnung gefahren und das, obwohl ich vor lauter Vorfreude (meine erste ernstere alpine MSL-Tour) die halbe Nacht nicht schlafen konnte. Blöderweise lag mein Kletterpartner arbeitsstressbedingt in einem dermaßen komatösen Dornröschenschlaf, dass ihn weder Telefongebimmel noch Türklingel ins Diesseits zu befördern vermochten.


Mit noch mehr Vorfreude ging es dann wie gesagt beim zweiten Anlauf los zu dem spektakulär über dem Rheintal in den Himmel ragenden, achtgipfligen Gratkamm. Zustieg mittels Staubern-Gondel und aussichtsreicher Wanderung über den Kamm zur Saxer Lücke.


Wir hatten uns beim Sichten der Wandtopos für ein Best-of aus vier Routen entschieden
um die Schwierigkeiten möglichst konstant zu halten.


Den Einstieg in der markanten Nische kann man nicht verfehlen, bei den anschließenden Routenkreuzungen sieht es danach schon anders aus (oder es lag an der noch fehlenden Erfahrung). Ein kurzer Abstecher in die falsche Linie nach SL5 ist schnell korrigiert, Kletterei und Fels bis hierhin sehr genießbar. In der Schlüsselseillänge machen wir auf kompakt-kleingriffiger Platte nicht lange rum und
schummeln kurz an der Exe.


Nun stehen wir an der nächsten großen Kreuzung. Über uns – ein überhängender, wandzerteilender Pfeiler, links davon eine schrofige Ekelrinne.

Ekelrinne im Schatten leicht rechts der Gipfelfalllinie

Laut Topo müssen wir im Pillepalle-Grad 3c rechts ums Eck in die Flugroute queren, nur kann ich diese einfache Kletterei dort nicht finden und entscheide mich nach einigem Hin und Her für die Ekelrinne. Mit Katzenpfoten belaste ich die teilweise nicht ganz festen Blöcke, freue mich nach 15m über einen rostigen Haken in der rechten Begrenzung, kann auf den nächsten 25m keinen Sicherungspunkt legen der halten würde und weil ich bis zur oben genannten Kreuzung schon 20m unterwegs war ist das 60m Seil, an dem ich hänge zu Ende. Kommunikation Fehlanzeige, Standplatzoptionen keine. Ungefähr 5m über mir ist der Gipfelgrat und ich sehe den erlösenden Bohrhaken blitzen. Gut, dass die Kletterseile elastisch sind. Der letzte Meter fühlt sich allerdings an, als würde ich 200kg auf der Beinpresse drücken. Mit maximaler Streckung, den Karabiner mit Bandschlinge mit den Fingerspitzen haltend, clippe ich den Haken. Ein wunderbares Gefühl. Von der Nordwestseite des Berges kommend sieht man nun plötzlich wie aus der Vogelperspektive ins 1500 Meter tiefergelegene Rheintal hinunter. Ein großartig exponierter Aussichtsgipfel!

Ein weiterer Pluspunkt vom Kreuzberg I ist die Abseilpiste. Zwar muss man zum ersten Ring nochmal konzentriert am Grat klettern, ist aber nach ein paar Abseilmanövern schnell wieder am Boden.


Insgesamt eine entspannt konsumierbare Tagestour im Appenzeller Heidiland, mit seinen schroffen Felswänden und saftigen Blumenwiesen.
Das 60m-Finale der Ekelrinne hätte man sich vermutlich sparen können, dafür sind wir laut Topo offenbar die Originallinie geklettert (nicht empfehlenswert).

Steckbrief Kreuzberg I, Kombi Nordost / Kolonnentüürli / Alter Nord

  • Schwierigkeit: VII- (VI obl.)
  • Absicherung: mit brauchbaren NH und reichlich BH abgesichert, zusätzlich gut mobil absicherbar
  • Schlosserei: Grundkeile/Cam-Set
  • Hoch / runter: Mit Gondelzuhilfenahme im Auf und Ab des Gratkammes zum Einstieg, Kletterei 9 SL

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