Touren in Italien

Piz Ciavazes (2831m), Kleine Micheluzzi

02.06.2019

Flitterwochen in den Dolos

Nach zwei Tagen Berghüttenhochzeit über den Brenner und ab zum Sellapass, wo die Krokusse schon blühten und der späte Wintereinbruch noch gut auf den Bändern zwischen den zweistöckigen Etagen der Riesenwände von Ciavazes und Sas Pordoi zu sehen war.

Fabis Dolo-Kletterguide spuckte auch gleich die passende Plaisirtour für unsere Dreierseilschaft aus: die kleine Variante vom Herrn Micheluzzi. Im Vergleich zur „Großen“ liegt diese im rechten Wandteil ist technisch leichter und endet auf halber Wandhöhe auf dem Gamsband, über welches links raus abgestiegen werden kann.

Wir fanden unterhalb des Passes einen perfekten Stellplatz direkt unter den Hochhäusern aus Fels – mit Alpenwiese, privater Sitzbank, Blick auf die morgige Route und rüber auf die noch immer tief verschneite Marmolada-Nordseite:

Sas Pordoi links, Marmolada rechts hinten

Am nächsten Morgen: Geparkt werden kann direkt unterhalb der Wand an der Passstraße.

Nächstes Bild: die Route verläuft rechts der Bildmitte zunächst über ein Rampensystem durch den grauen Fels diagonal von unten rechts nach links in den gelben Wandteil auf halber Höhe. Ab dort Beginnt die ausgesetzte, steile Kletterei schräg nach rechts und am Ende gerade hoch zum Gamsband.

In den Südwänden geht’s sommerlich zu…
…auf der Nordseite liegt noch reichlich Schnee. Antje + Fabi unten am Einstieg
Dicker Zirkuszeltanker am ersten Standplatz
Weiter geht’s in Seillänge 2

Die ersten Seillängen durch das Rampensystem sind noch leicht und etwas schottrig. Aufmerksames steigen ist geboten, um nix los zu treten…aber der Steinschlag sollte trotzdem zu einem späteren Zeitpunkt noch ein Thema werden:

Unten steht der Caddy, oben wird gekraxelt

Man klettert das Rampensystem so lange nach links bis man einen markanten Turm erreicht, danach ändert die Route ihre Richtung und führt durch den steilen gelben Wandteil wieder nach rechts raus. Man kommt auf dem Weg zum Turm an einem dicken Felsblock unterhalb der gelben Wand vorbei und steigt danach eine Rinne hoch. Plötzlich hör ich von oben das Surren fallender Steine. Der schmilzende Schnee am Gipfel sorgt für regelmäßiges Bombardement. Ich schrei noch runter zu Fabi und Antje am dicken Felsblock in Deckung zu gehen, als ein dicker Stein 2m neben Antje einschlägt. Schwein gehabt – kann auch Richtig in die Hose gehen. Wir schaun, dass wir schnellstmöglich in den geschützten, steileren Teil der Wand kommen, kürzen den links/rechts-Bogen am Turm ab und nehmen den direkten Weg gerade hoch. Die Aktion bringt uns auch auch gleich eine neue, schöne Schlüsselseillänge im 5ten Grad.

Hier bereits nach der Begradigungs-Seillänge. Unten sieht man den von uns links liegen gelassenen grasigen Turm
Schöner, ausgesetzter Standplatz am dicken Klebehaken

Die Kletterei im oberen Teil ist für den Grad wirklich spektakulär steil an dicksten Henkeln, Löchern und Schuppen. Dass der Fels teilweise ordentlich abgeschmiert ist stört überhaupt nicht.

Hier ausnahmsweise mal ein eher typisch-dolomitischer Standplatz an Schlaghaken mit Zusatz-Friend

Bissle Romantik muss sein 😉 Und wo wäre ein solches Schloss besser aufgehoben, wenn nicht in so einer tollen Kulisse?! Hoffentlich hängts noch lange da, hoch oben an einem der letzten Standplätze der Tour :-).

Oben am Gamsband angekommen, nach 9 abwechslungsreichen Seillängen, schaut die Umgebung noch arg winterlich aus. Das Querungsband, teilweise sehr ausgesetzt und schmal, liegt stellenweise unter einer dicken Schneeschicht begraben. Wir haben aber keinen Stress und lassen uns Zeit. Der Abstieg ist unter den Umständen nochmal ein Abenteuer für sich und rundet das Gesamterlebnis aber umso mehr ab. Es muss durch Felslöcher gekrochen, hinter Schneehaufen vorbeigeschoben und später sogar abgeklettert und abgeseilt werden:

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Kurz vorm Sellapass, bereits unterhalb der Sellatürme noch einmal so richtig schön im Schlamm gebadet
Der Langkofel-Stock vom Pass aus. Ein richtig fetter Klotz. Ein Jahr nach dieser Tour kommen wir zurück und steigen via Daumenkante auf die Fünffingerspitze in Bildmitte

Zum krönenden Abschluss der Tour gibt es zurück am „Campingplatz Sella“ Pasta, Bier und nachts ein Feuerwerk am Horizont:

Wetterleuchten hinter der Marmolada

Steckbrief Piz Ciavazes, Kleine Micheluzzi:

  • Schwierigkeit: IV+, IV anhaltend
  • Absicherung: Standplätze meist mit dicken Ringen versehen, reichlich NH, Rest gut absicherbar
  • Hoch / runter: Zustieg nicht nennenswert, 250m Kletterei auf 9SL

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.