Touren in Frankreich

Aiguille Noire de Peuterey (3773m), Südgrat

27.-28.05.2022

„Die Aiguille Noire ist ein wunderbarer Felsobelisk, eine der schönsten Nadeln der Alpen. Der Südgrat, der sich auf beinahe tausend Meter in mehreren schlanken Türmen erhebt, stellt eine der schönsten Kletterrouten in den Alpen dar und mit Recht eine der berühmtesten; eine große, elegante und anspruchsvolle Besteigung in ausgezeichnetem Fels“.

Quelle: Vallot-Führer
Südgrat im Profil – vom Abstieg aus

Ich erinnere mich noch genau an den Moment, als ich das erste Mal von Courmayeur aus den Mont Blanc und seine Trabanten von der Südseite aus gesehen habe. Die Kinnlade fiel mir auf die Füße, die Finger fingen an zu jucken und der Nacken wurde steif vom hoch glotzen. So schroff und steil präsentiert sich dieser wildeste Teil des Massivs von hier gesehen, im Vergleich zum gletscherverhangenen, flacher abfallenden Norden.

Es dauert nicht lange, bis der Blick an einer überdimensionalen, in den Himmel ragenden Riesentreppe aus schwarzem Urgestein hängen bleibt. Wie Orgelpfeifen ragen da von Süd nach Nord aneinandergereiht immer höher aufsteigende Türme nach oben, welche in eine freistehende und das Tal dominierende Felspyramide münden: Der Südgrat der Aiguille Noire de Peuterey – technisch anspruchsvollster, erster Teil der längsten überhaupt in den Alpen möglichen Extrem-Bergfahrten. Peuterey Integral. Einzigartig in Länge und Gesamtanspruch. Der feuchte Traum eines jeden Alpinisten und definitiv eine Trophäe des Gebiets.

Quelle: www.hochzwei.media. Der längste Grat der Alpen im Profil: Vom Val Veny unten links bis Mont Blanc oben rechts. Aiguille Noire in Bildmitte. Der Ostgrat (Abstieg) zieht sich von der Nadelspitze der Noire nach links runter.

Allein der Südgrat ist ein Superlativ: Anspruchsvollster Hüttenzustieg, unglaubliche 50 Seillängen bis zum Gipfel und runter kommt man nur, indem man den ewig langen, ausgesetzten Ostgrat abklettert. Nur wenn wirklich alle Rahmenbedingungen passen, denkt man ernsthaft darüber nach, ein solches Kaliber anzugehen.

Ende Mai 2022, quasi direkt zum Saisonauftakt, ergab sich dieser Moment mit Simon: Erstaunlich gute Kletterbedingungen, ein stabiles Wetterfenster mit angenehmen Temperaturen und 2 Typen in Topform:

Wir können allerdings nicht behaupten, dass es uns leicht gemacht wurde: Verkehrshölle bei der Anreise, Montblanc-Tunnel verstopft, Skyway-Montblanc-Seilbahn Courmayeur außer Betrieb – damit auch unser ursprünglicher Akklimatisierungsplan für den Eimer, nächtliche Gammelfleisch-Burger bei McDonalds und kurz vorm Abmarsch zum Refugio Borelli leert sich die einzige Gewitterzelle des Alpenraums über uns aus.

Aber wir ließen uns nicht beirren. Zäher als die Anreise kann die Tour selbst ja fast nicht werden. Nach diversen Bierchen in Elevations und MBC waren wir nachts eigentlich schon akklimatisiert.

Am nächsten Tag verbannten wir dann auch die letzten Zweifel, an einer Durchführbarkeit dieses Husarenstücks, per Kreditkarte. Eingehtour per Midi-Bahn, Snacks+Bierchen im Gipfelrestaurant und danach noch Gewichtsoptimierung im Snellsports. *Katsching*. Ultraleichtsteigeisen, Leichtere Bergstiefel, neue Gletscherbrille, usw. Dinge des täglichen Bedarfs eben.

Gut investiertes Geld: Über den geschrumpften Kontostand freut sich nicht nur der Rücken, sondern auch das Tourenbuch. Denn mit der Voie Rébuffat-Pierre am Éperon des Cosmiques und Ausstieg via Arête des Cosmiques haben wir an diesem Tag gleich zwei Top50-Touren als Aufwärmprogramm verbuchen können.

Der an diesem WE dauerverstopfte Montblanc-Tunnel beschert uns eine späte Ankunft im Camping Monte Bianco „La Sorgente“ im wilden Val Veny. Beim netten Betreiber Matteo Pellin versuche ich noch an aktuelle Infos zu der Tour zu kommen, aber wir scheinen diese Saison die Ersten zu sein, die sich an den Südgrat wagen. Ist ja auch erst Mai.

Den ausgesetzten Hüttenzustieg hoch zum Rifugio Borelli wollen wir eigentlich noch bei Tageslicht in aller Ruhe und vollem Magen gehen, aber plötzlich schieben sich die dunklen Wolken zusammen und es fängt an zu regnen. Ein kurzer Blick auf’s Regenradar: im gesamten Alpenraum schönes Wetter, nur bei uns pissts. Top Start. Eine knappe Stunde sitzen wir im Bus, packen dann viel zu hastig, vergessen aber wie durch ein Wunder trotzdem nix und kommen 2h später, klatschnass geschwitzt im Stockfinstern am ebenso finsteren Rifugio an. Kein Strom, kein Wasser, dafür sturmfrei, Kerzenromantik und bequeme Betten.

Zustiegsgelände á la Noire
Etwas verwahrlost, kalt, dunkel, aber trotzdem noch gut in Schuss mit dem Nötigsten. Die bequemen Betten können wir uns aussuchen – wir sind allein im Rifugio Borelli
Einstimmung auf die nächsten zwei Tage bei Kerzenlicht. Über 6 Türme musst du gehen. Auf der Punta Brendel werden wir unser Nachtlager beziehen.

Am nächsten Morgen wird nach einem Blick in die Route noch ein letztes Mal abgewogen. Hammer + Hakensortiment haben wir eh schon im Tal gelassen. Die neuen Steigeisen wiegen kaum was und könnten auf steilen Firnfeldern nützlich sein. Die Pickel lassen wir nach einigem hin und her doch auf der Hütte. Trotz aller Entbehrungen wiegt der Rucksack mit dem ganzen Metall, dem Biwakmaterial, Futter, 1,5l Wasser, Kocher, warmen Klamotten, den Steigeisen und dem Seil doch noch ca. 10 kg.

Um 7:30 Uhr marschieren wir los. Unser Plan: am ersten Tag so viel Kletterstrecke wie möglich zurücklegen. Mindestens bis zur Pte. Welzenbach (SL26). Dort Biwakieren und am nächsten Tag bis zum Gipfel und wieder runter via Ostgrat.

Aufbruchstimmung am Rifugio
Eislawine, abgeworfen vom oberen Gletscher, den es vermutlich bald nicht mehr geben wird
Auf dem Weg zum Einstieg

In einer Stunde flitzen wir quer durch den Fauteuil des Allemands (Sessel der Deutschen?) zum Einstiegspfeiler unterhalb der Pte. Gamba. Zu unserer Überraschung mit Bohrhakenstand markiert und dadurch nicht zu übersehen.

Simon quert rüber zum Einstieg
Blick von Einstieg runter ins Aosta Tal

Will man sich nicht ewig mit dieser Tour aufhalten, muss zwingend am laufenden Seil oder, wie man oft liest, zumindest im unteren Teil komplett seilfrei geklettert werden. Auf den ersten 10 Seillängen bewegt man sich überwiegend in schrofigem, tw. nicht immer ganz zuverlässigem Gelände – daher wollen wir aufs Seil nicht verzichten, lassen die Bergstiefel zunächst an und geben Gas. Immer der Nase nach, den Pfeiler hinauf. An den oftmals gebohrten Standplätzen Micro Traxions reingehaun und weiter.

Typisches Gelände unterhalb der Gamba: zugewachsener, schlecht absicherbarer, tw. nicht immer ganz zuverlässiger Fels
Am Ende der Rechtsquerung
Mittlerweile auf Kletterschuhe gewechselt

Oberhalb der markanten dreieckigen Platte über ein abschüssiges Band horizontal nach rechts queren und absteigend ins etwas unübersichtliche Couloir zwischen Gamba und Bifide.

Labyrinth aus Fels

Trinkflaschen mit Schmelzwasser aufgefüllt und weiter. Die Seillängen fliegen unter unseren Füßen und Händen dahin. Wir gewinnen rasch an Höhe. Der Zug rollt.

Unterhalb der Bifide

Manchmal bringt man Topo mit dem Gelände übereinander, erkennt markante Passagen, kann sich orientieren und freut sich über die Gewissheit auf dem richtigen Weg zu sein. Generell gilt bis zur Pte. Bifide: wird es schwerer als 5, hätte man es leichter haben können. Das merken wir dann auch beim ersten (von glücklicherweise ganz wenigen) Verhauern oben direkt am Turm der Bifide. Der Lohn: eine hübsche 6er-SL gratis.

Unnötiger Abseiler an der Westseite der Bifide
Simon auf Abwegen…da dämmert uns eigentlich schon, dass wir nicht ganz richtig unterwegs sein können, auch wenn etliche Haken und sogar ein ewiger Friend im Fels stecken. Kurz drauf klettern wir wieder die steilen Abseilmeter hoch zurück auf den Grat
Simon beim Korrigieren des Abseilabstechers

Man gelangt dort in eine Scharte. Standplatz direkt auf dem Grat. Zum ersten Mal sieht man in die Westflanke und ist nun mitten auf dem Südgrat. Dort nicht nach links abseilen, sondern leicht rechts des Grates weiter hoch. Eventuell passt da auch das ansonsten recht gute Topoguide-Topo nicht zu 100%. Egal. Wir sind nach dem kurzen Abstecher bald darauf wieder in der Spur, haben zwar keine Ahnung mehr in welcher Seillänge wir uns befinden, aber stehen nach 8h plötzlich auf der Pte. Welzenbach.

Freney-Gletscher

Offenbar waren wir so im Flowmodus, dass uns die 6er-Stellen bis hier hin gar nicht aufgefallen sind. Oder es lag an der Felsqualität. Ab ca. SL13 bis zum Gipfel der Pte. Bich (SL46), soviel sei vorweggegriffen – vom allerfeinsten. Strukturiert und super griffig. Es ist nun erst 16:30 Uhr, also weiter. In der Scharte mit den guten Biwakplätzen, nach dem Abseiler direkt hinter der Pte. Welzenbach, finden wir endlich Schnee zum Schmelzen. Im Hochsommer wird die Wasserversorgung hier oben zum Problem, so aber haben wir den perfekten Zeitpunkt erwischt.

Nur am Schattenwurf des Südgrates kann man ungefähr erkennen, wo in etwa man sich befindet. Wir sind hier gerade zwischen Turm 3 & 4 (von rechts unten gesehen) in der Scharte nach der Pte. Welzenbach

Die Kletterei ist durchwegs schön bis atemberaubend und immer spektakulär. Über uns streben noch immer Felsnadeln in den Himmel, links und rechts des streckenweise messerscharfen Grates saugt die Tiefe, musikalisch untermalt durch das Donnergrollen des kalbenden Freneygletschers. Als wäre das nicht schon gewaltig genug, thront über all dem noch der Monarch der Alpen in unmittelbarer Nähe. Gestützt durch das Innominata-Rückgrat, flankiert von den mächtigen Freney- & Brouillard-Pfeilern rechts und links davon.

In dieser Kulisse beziehen wir nach 11h und 31 Seillängen Kletterei um 19:30 Uhr unterhalb der Pte. Brendel einen Biwakspot zwischen Schneefeldern. Zwar geht uns zu früh das Gas aus und Simon muss die halbe Nacht Liegestütz machen, um nicht zu erfrieren…aber hey – wer bequem schlummern will bleibt halt im Tal oder schleppt (so wie ich) den dicken Schlafsack mit 😉. Außerdem bekommt man bei diesem Ambiente eh nicht genug und glotzt lieber die ganze Nacht auf Milchstraße und mondbeschienene Berge anstatt zu dösen.

Zwei halbwegs ebene Flächen und sogar fließendes Wasser – purer Luxus im Hotel Peuterey
Bett gemacht, gleich gibts Tütenfutter, kurz drauf ist das Gas leer
Simon schlüpft in seine mehrteilige Zwiebel
Good night…

Stundenlang wartet man darauf endlich weiterklettern zu können. Wenn es dann so weit ist und die ersten wärmenden Sonnenstrahlen ums Eck kriechen, möchte man eigentlich nur noch schlafen. Paradox so ein Biwak in der Wand auf 3500m.

Gleiches Bild am nächsten Morgen. Der Mont Blanc wird bereits von der Sonne geküsst…bei uns im Schatten ists noch klirrend kalt…zumindest außerhalb vom Schlafsack
Der Südgrat wirft seinen zackigen Schatten
Blick hinunter in den Sessel der Deutschen und das Val Veny & Aostatal- zurück zum Startpunkt
Unsere Wasserleitung ist über Nacht leider zugefroren…wir fangen die letzten Tropfen ein

Wir kommen langsam in die Gänge. Die Schlüsselpassagen warten auf den heutigen 15 Seillängen auf uns. Um 7:30 Uhr ziehen wir los.

Blick von der Pte. Brendel zur gegenüber liegenden Pte. Ottoz

Viel Zeit zum wach werden bleibt nicht. Erst ausgesetztes Abklettern in die Scharte, dann einmal mehr spektakuläre 6er-Kletterei auf der Westseite der Ottoz. 700m unter unseren Füßen – der zerrissene Freney-Gletscher.

Abklettern in die Scharte
Ab der Scharte links haltend um einen Turm herum in eine tiefe Verschneidung und in dieser auf den Turm hinauf
Auf dem Bild ist der Turm gut sichtbar…Simon verschwindet in den Spalt

Nun folgen die nominell schwierigsten Meter. Vom Turm rüber spreizen in die Wand. Zunächst senkrecht gerade hoch, danach die richtige Abzweigung links ums Eck nicht verpassen (so wie ich zunächst). Unbedingt unterhalb des 3. NH (mit Schlinge) horizontal nach links queren (nicht oberhalb). Kaum ums Eck sieht man die markante Verschneidung. Dort etwas unbequem Stand machen.

Simon kommt ums Eck

Die folgende Passage durch die Verschneidung und dann scharf rechts zurück auf den Grat ist gut eingenagelt, ordentlich ausgesetzt und in Sachen Linienführung vom allerfeinsten.

Auch die ersten 200 Meter am Aufschwung zur Pte. Bich bringen wieder irrsinnig schöne Kletterei zum Zunge schnalzen.

Blick zu Grandes Jorasses links und Grand Combin, Matterhorn und Monte Rosa im Hintergrund

In SL45 weicht man nach rechts querend in die Flanke aus und gelangt zu einem je nach Jahreszeit schutt- oder schneegefüllten Couloir.

Unterhalb dieses schneegefüllten Couloirs müssen wir auf Bergstiefel umsatteln und sind danach für die letzte 6er-Seillänge zu faul zum erneuten Schuhwechseln. Machen wir‘s eben wie früher mit Bollerschuhen. Erst eine senkrechte Verschneidung hoch, dann fehlen uns noch knappe 8 Meter bis auf den Turm. Schaut aus wie ein überdimensionales Hinterteil. Abweisende, überraschend glatte Pobacken mit zwingend zu kletternder Arschritze dazwischen. In der leicht überhängenden Ritze steckt, um die Parodie perfekt zu machen, noch ein stöpselartiger Klemmblock. Bollerschlappen in den Riss gestopft, Hand- bzw. Knieklemmer dazu, hoch antreten, 1-2 rampfige Züge – oben. Leider gibts keine Bilder.

Ausstieg aus der Arschritze

Zum ersten Mal sehen wir gegenüber die Madonna auf dem Gipfel der Noire. 35m Abseilen in die Scharte und dann rechts des Zackengrates dem steilen, schuttigen Trampelpfad folgen. Ein kleiner Vorgeschmack auf den Gruselabstieg. Nach ca. 50m nicht mehr dem Pfad folgen, sondern scharf links durchs Blockgelände aufwärts, seilfrei zum Gipfel. Die letzten Meter wie in Trance, mit hämmerndem Puls der Madonna auf 3773m entgegen.

Wir stehen auf der Spitze einer freistehenden Riesennadel, die 500-1000m ringsum senkrecht abbricht, 2000m über dem Val Veny, in Rufweite zum Mont Blanc. Was für ein Moment – was für eine Felsfahrt!

Nach einer Fotosession mit der blitzgeplagten Madonna schieben wir uns noch nen Riegel rein und stellen uns auf einen langen Abstieg ein. Jetzt gilt es nämlich jeden einzelnen Meter in teilweise gruseligstem Gelände wieder abzuklettern. Dazu Richard Goedeke: „Ein recht weitläufiger, unübersichtlicher Berg mit allerlei Gelegenheit, müde zu werden, sich mit Steinen zu behelligen und sich zu verirren“. Zumindest hat sich das letztere Thema vor Jahren nahezu erledigt, weil die italienische Bergwacht nach zu vielen Unfällen, vor allem im Abstieg, den Weg mit gelben Punkten und zum Teil auch Katzenaugen, markiert hat.

Der verbrutzelte Madonna-Kopf lässt erahnen, dass es hier oben bei Gewitter nicht mehr so lustig zugeht

Der Ostgrat. Ein chaotischer Wechsel aus stellenweise durchaus ansprechender Gratkletterei bis III+, aber in erster Linie viel schuttigem und schrofigem Drecksgelände. Absturzgelände von oben bis unten. Eine Tour für sich. Wir hangeln uns von Farbklecks zu Farbklecks. Klettern anfangs noch seilfrei, da wo der Fels es zulässt, packen dann aber doch bald den Strick aus, passen die Länge an und steigen simultan ab.

Überall sieht man Irrwege abbiegen, die im Nirvana enden. Man will sich gar nicht vorstellen wie es hier Bergsteigern bei schlechter Sicht vor dem Anbringen der Wegmarkierung hat ergehen müssen.

Gut markiertes Schrottgelände wechselt sich ab mit…
…ansprechender Gratkletterei an tollem Fels. Im Hintergrund ein potentiell nächstes Ziel 😉
Blick rüber zum gezackten Aufstiegsweg
Alle Türme des Südgrats auf einem Bild
Links der Südgrat. Ganz rechts im Bild – Simon beim Abklettern
Wir verlieren an Höhe…die erste Vegetation taucht auf

Als wäre die Sache nicht schon spannend genug, zerhaut uns ein Felsblock beim Abseiler dann auch noch das Seil. Aber auch dafür gibt es eine Lösung. Wir haben uns nach stundenlangem Auf- und Abstieg eh schon in willenlose Alpinzombis verwandelt, die einfach nur noch funktionieren.

Endlos ziehen sich die gelben Punkte die Flanke hinunter. Der Boden kommt ganz langsam näher. Irgendwann sind wir auf Höhe Pte. Welzenbach, dann Pte. Gamba. Nach 6h Abstieg seilen wir ein letztes Mal ab bis auf das große Firnfeld, am Fuße der Noire und fallen uns erleichtert in die Arme. Über den Firn laufen zu können, sich überhaupt einfach nur gefahrenlos bewegen und den Kopf ausschalten zu können – eine Wohltat! Gehgelände, fließendes Wasser – herrlich.

Es ist nun 20:30 Uhr. Bis ins Tal wollen wir uns nicht mehr hetzen. Zurück im Rifugio Borelli kommt uns die etwas verwahrloste Behausung nun vor, wie ein 4-Sterne-Hotel. Diese Momente, wenn man nach so einer wahnsinnigen Tour total verausgabt zurück kommt und sich völlig geerdet eine tiefe Glückseligkeit einstellt – unbezahlbar! Zur Feier des Tages gibt es zwar leider (noch) kein Bier, dafür ein Blitzefeuerwerk der Extraklasse aus einer Superzelle über dem Turiner Becken. Krasse Show vorm Schlafen gehen.

Der nächste Morgen. Alles tut weh. Trotzdem hat man ein breites Grinsen im Gesicht. Wir packen in aller Ruhe. Im Abstieg ein letztes Mal volle Konzentration – dann sind wir nach 1,5h zurück am Auto bei den Kaltgetränken und orgeln uns gleich ein paar Kolben Gerstenschorle in den ausgetrockneten Hals. Die warme Dusche auf dem Campingplatz danach ist fast so schön wie der Südgrat selbst.

Katzenwäsche
Die Noire versteckt sich beim letzten Blick zurück
Ab der Kante ist der Hüttenweg kein normaler Weg mehr
Erstes Bier…
Zweites Bier…usw

Nach einem kurzen Plausch mit Matteo meint dieser abschließend: „…ihr müsst wieder kommen…und dann macht ihr den Integral. Ich geb euch alle Tipps…hab den schon ein paar Mal gemacht“. Never say never 😉

Hier noch einmal die ganze Himmelsleiter – zum Vollsabbern und Träumen:

Quelle: www.hochzwei.media

Gehzeiten

Tag 1:

  • Auto – Rifugio Borelli: 2h

Tag 2:

  • Rifugio Borelli – Einstieg: 1h
  • Einstieg – Pte. Welzenbach: 8h
  • Pte. Welzenbach – Pte. Brendel: 3h

Tag 3:

  • Pte. Brendel – Aiguille Noire: 6,5h
  • Aiguille Noire – Rifugio Borelli : 6h

Tag 4:

  • Rifugio Borelli – Auto: 1,5h

Material

  • 50m Einfachseil (8,9mm)
  • 50m Rapline (6mm)
  • Leichtsteigeisen
  • Schlosserei (inkl. 2 MicroTraxion, reichlich Alpinexen, komplettes Cam-Set (X4 0,1-0,3 & C4 0,4 bis 3)
  • Reichlich Schlingen (120er)
  • Gurt
  • Helm
  • Kletterschuhe
  • Bergstiefel
  • Rucksack (ca. 28l)
  • Handy
  • Kopflampe
  • Pocket Rocket Kocherset
  • (zu) kleine Gaskartusche
  • Wasserflasche
  • Schlafsack
  • Biwaksack
  • Isomatte
  • Gletscherbrille
  • Buff
  • Hardshell
  • Funktionsshirt
  • Softshell/Fleece mit Kapuze
  • Daunenjacke
  • Handschuhe
  • Futter (Riegel, Schoki, Trockenfraß)

Steckbrief Aiguille Noire de Peuterey, Südgrat:

  • Schwierigkeit: VI+ (VI- obl.)
  • Absicherung: Stände wurden vor allem im unteren Teil oftmals saniert. An den Schlüsselstellen z.T. einige NH. Dazwischen ist viel Eigeninitiative gefragt
  • Hoch / runter: ca. 1000hm Zustieg, ca. 2000 Klettermeter auf ca. 50 SL. Das Selbe nochmal im Abstieg
  • Übernachtung: Rifugio Borelli (2310m)

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