Touren in Deutschland

Unterer Schüsselkarturm (2135m), Schober-Münch

08.08.2026

Oberreintal? Oberhammer!

Zustiege per Bike sind ja beim alpinen Klettersport das Beste. Es gibt nur eine Steigerung: Zustieg per E-Bike. Im Falle des 12km langen Weges bis zur Abzweigung hoch zum Oberreintal allemal. Denn will man sich nicht mit Busladungen voller Touris durch die Klamm quetschen, fährt man obenrum, inklusive dermaßen steilen Anstiegen, dass man fast die Klettersachen anlegen möchte.

Daher nochmal 1000 Dank an Simons vehementen Rat, bloß nicht mit Bio-MTB anzurücken, stattdessen vor Ort die hart erwirtschafteten Euros in stabile Drahtesel mit Antrieb zu investieren. Gilt die Tour dann eigentlich noch als by-fair-means? Bye bye fair means also? Wurscht – Hauptsache kein Herzinfarkt im Zustieg. Wollten wir doch direkt im Kletterparadies angekommen auch gleich zur Sache kommen. Zuradeln, Zusteigen, zur Sache kommen quasi. Und zwar mit der Schober am unteren Schüsselkarturm. Abfahrt 7 Uhr in GAP. Danke auch an Basti für die Beherbergung. Kaum am Stadtrand angekommen wird der Antrieb in den Turbo-Modus geschaltet und der Bike-Panzer saust mit angedeuteten Tretbewegungen den Berg hinauf. Die Restreichweite vom Akku sinkt dramatisch, damit aber auch die von Google errechnete Ankunftszeit.

Irgendwo oberhalb der Partnachklamm.
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Unmissverständliche Ansage an die Wanderer 😉

Nach 40min und einer Mordsgaudi parken wir die Ungetüme im Wald zu ihresgleichen und stehen Punkt 9 Uhr an der Oberreintalhütte – ein Ort, an dem die Zeit stehen geblieben scheint. Minimalismus, Ruhe, Entspanntheit – ein einfaches Leben. Nur die Smartphones und die klimpernde Hightech-Ausrüstung holen einen zurück in die Gegenwart.

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Unten links im Bild: die Panoramadusche
In Bildmitte: Der untere Schüsselkarturm von der Hütte aus gesehen.
Jakobs Todeszone (Küche). Geteilte Gaben kommen auf den Tisch. Auf 19 Uhr wird alles in einen riesigen Topf geschmissen und umgerührt.

Die Kulisse in diesem entlegenen, magischen Hochtal ist so atemberaubend, dass man beim Umpacken der Rucksäcke aufpassen muss, nicht dem Drang zu erliegen sich einfach nur mit einem Bier auf die Terrasse zu hocken. Mit maximaler Selbstbeherrschung stehen wir 1,5h später ordentlich angeschwitzt am Einstieg der Route.

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Bissle nass schauts schon aus. Vor allem die erste Seillänge. Ich häng mich mit allerlei Cams voll und mach den Anfang.

1.SL (5+): Andi Dicks Kommentar im Pause-extrem-Collect-Forum zu Folge treffenderweise mit 5++ bewertet. Oder wie Benni meinte: „die erste Länge ist immer ein 8er“. In dem Fall ein schleimiger. Immerhin meinte später ein ortskundiger Kletterer sie sei immer nass. Daher auch der Algenbewuchs im Rissgrund? Der Haltekraft dazugelegter Cams jedenfalls nicht zuträglich. Soll jetzt aber nicht schlimmer klingen als es ist, denn die großen Schuppen sind im Griffbereich ok trocken und die Kletterei auch tatsächlich ansprechend. Den Modus emotionslos etliche Meter über der letzten Sicherung zu stehen, sollte man allerdings schon schnell einlegen. Außerdem hilft Mitzählen: erst am 5. Ring geht’s nach rechts raus aus der Verschneidung.

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2.SL (6): Benni übernimmt und überlistet den knackigen Überhang souverän mit einem Kreuzband-verachtenden Ägyptermove. Der Fels ist ab hier trocken.

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3.SL (6-): Ich bin wieder dran. Die Richtung leicht nach rechts wird beibehalten. Der Stand ist etwas versteckt in einer Gufel ums Eck außerhalb der Sicht. Rechts über uns klettert eine Seilschaft die angeblich wunderschöne „Ois Tschikago“. Leider schaut die Länge mit dem klatschnassen Riss alles andere als prickelnd aus.

Ois nass in der Tschikago.

4.SL (6-): Hier wartet eine knifflige Stelle an einer strukturarmen, kurzen Rissverschneidung, die sich mit Piaztechnik gut lösen lässt und natürlich das Highlight der Tour: die Sitzbank! Und als wäre eine bequeme Holzbank mitten in einer 300m hohen Wand noch nicht genug ist darunter noch eine Blechschachtel samt komplettem Kaffeekocherset (Gas, Brenner, Bialetti, etc) versteckt. Sogar Zucker hats. Nur das Kaffeepulver find ich nicht auf Anhieb. Wir sind aber eh so arg aufs Klettern fixiert, dass wir auf den Koffeinschock verzichten.

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5.SL (6-): Knallerlänge! Da muss man als Erstbegeher erst einmal drauf kommen maximal windig horizontal um die extrem exponierte Kante zu klettern. Belohnt wird man nicht nur mit viel Luft unter den Sohlen, sondern mit überraschend guten Tritten und Griffen an der richtigen Stelle. Alles auf einem Bild. Danke Benni 😉

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Ja komm….ein Selfie muss sein.

6.SL (6): Vom Standplatz nach links ins gelbliche, etwas splittrig wirkende, aber solide Gestein. Härtere Stelle gleich zu Beginn an scharfen Kanten, danach einfacher in die Verschneidung.

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7.SL (6+): Benni kombiniert beide 20m-Längen und somit auch gleich die Crux. Klassischer Pause-6er würde ich sagen – also gefühlt eher hart bewertet. Dazu ist der Zielgriff klatschnass. Im Topo steht: „meist feuchte Fingerlöcher“. Hiermit bestätigt. Die Schlüsselstelle sieht eigentlich auf den ersten Blick gar nicht als solche aus. Man steht dann aber doch für ein paar Züge auf wackligen Tritten und muss schräg nach links eiern. Benni ists egal – er hat genügend Soßenbinder im Beutel und Power in den Fingern. Ich entscheide mich jedenfalls gegen den nassen Griffel, stattdessen für eine schlechte, dafür trockene Minikante und ziehe rüber. Team-onsight eingetütet. Der „überhängende Fingerriss“ danach (laut Topo) ist eher ein Handriss und easy.

8.SL (5+): Nach der ersten Hälfte neigt sich das Gelände deutlich. Der zweite Klebering steckt etwas links des einfacheren Schrofengeländes. Da wurde schätzungsweise die Route leicht in den besseren Fels verlegt.

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9.SL (4): Leichte Länge aus der Wand heraus auf den Gipfelgrat.

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Hei mi leckst am Arsch! Geschafft!

Der Schüsselkarturm ist kein freistehender Turm, sondern eher ein imposanter Gratausläufer. So ganz ohne Gipfelfeeling haben wir doch glatt das Summit-Pic verpennt.

Es gibt nun zwei Möglichkeiten. Entweder am Ausstieg etwas abklettern zum Abseilstand und dort laut Topo 3x50m abseilen ins linke Kar (Blick Richtung Schüsselkarspitze). Wir müssen zurück zum am Einstieg deponierten Zeugs, also Variante zwei: Kletterabstieg ins rechte Kar. Dieser ist nun eine kleine Konzentrationszusatzaufgabe. Grob beschrieben müssen einfach alle Grattürmchen über-, oder umstiegen werden (Abseiloption an der IIIer Abkletterstelle). Es gibt leichte Wegspuren. Der gezackte Grat endet abrupt mit einer steilen, aber gutmütig gestuften (max. III) Wand über einem grasigen Sattel. Ab dort Gehgelände.

Benni am Gipfelchen.
Beim finalen Abklettern zum grünen Sattel.
Blick zurück zum letzten Gratabschwung vom Sattel aus gesehen.

Abschotterfetischisten kommen nun auf ihre Kosten. Mit einer Hand voll Steinen in den Schuhen sind wir flott zurück am Einstieg und bald an der Hütte.

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Ein Doppeljubiläum darf gefeiert werden. Frisch geduscht dank grandioser Outdoordusche. Bennis 10te und meine 25te Pause-Extremklassiker Tour 😊 und eine Würdige dazu!

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Steckbrief Schüsselkarturm, Schober

  • Schwierigkeit: VI+, VI obligat.
  • Absicherung: alpin…dh. ausreichend, aber nicht übertrieben saniert. Die alten NH wurden gänzlich entfernt
  • Schlosserei: 10 Exen, ein paar davon lang, Friends bis 3, Keile. Kaffee
  • Hoch/runter: nicht der Rede wert von der Hütte aus

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