Touren in der Schweiz

Täschhorn (4491m), SE-Grat (Mischabelgrat)

25.08.2025

Von unserem ursprünglichen Vorhaben nach dem Täschhorn gleich noch zum Dom rüber zu kraxeln hatten wir uns eigentlich mental schon am Ende des Rothorngrates am Tag zuvor verabschiedet. Nun sollte es zumindest der Mischabelgrat sein. Und selbst dafür hielt sich die Motivation abends im Biwak noch in Grenzen. Zu platt waren wir, zu stürmisch war es draußen und die Aussicht auf Regeneration in der überfüllten Schachtel ist überschaubar.

Um 3 Uhr klingelt der Wecker und wird gleich gesnoozed. Der starke Wind hat sich nicht wie erhofft gelegt über Nacht. Könnte unangenehm werden bei fast -10°C draußen. Eine halbe Stunde später sieht die Sache nicht anders aus, aber wir schließen uns dem Gewusel im Biwak an.

Um 4:15 Uhr geht es hinaus in die Dunkelheit. Kaum auf der Ostseite vom Grat – die Überraschung: Weg ist er, der Wind. Da scheint es im Joch die Luftmassen wie durch eine Düse vom Matter- ins Saaser Tal zu drücken. An der ersten steilen Kletterstelle legen wir das Seil an, die dicken Handschuhe werden verstaut.

Bei guten Verhältnissen geht es nun dahin. Anfangs noch meist in der Ostflanke und oft schuttig ist der Fels am Grat überraschend fest und schön zu klettern. Auch im Schein der Stirnlampe sind die Steinmännchen und Begehungsspuren eigentlich sehr gut zu finden.

Die Tour ist in der Literatur mit III+ sogar schwerer angegeben als der Rotgrat, was sehr verwunderlich ist. Am Täschhorn mag die Bewertung passen – im direkten Vergleich zu den ersten 1-2 Seillängen und der offiziellen Schlüsselstelle unter dem Quarzturm am Rotgrat ist dieser zumindest einen Grad schwerer.

Als beste Begehungszeit wird für den Mischabelgrat der Frühsommer angegeben, wenn die flacheren Gratabschnitte und das Gebrösel unterm Firn liegen. Die Steigeisen haben wir vorsichtshalber im Rucksack, können aber bis zum Gipfel darauf verzichten. Sehr angenehm und zeitsparend. So kommt richtiger Flow auf.

Der Sonnenaufgang ist wie immer magisch und verleiht zusätzlich Motivation.

Wir klettern simultan, je nach Gelände mit 5-20m Seillänge. Die tiefen Temperaturen halten den Berg gut zusammen. Mobile Sicherungsmittel setzen wir nicht ein, es finden sich jederzeit ausreichend Köpfle. So kommen wir schnell voran, trotz der am Alphubel gelassenen Körner.

Deutlich flotter unterwegs war der deutsche Bergführer mit seinem fitten Kunden, die uns im Schweinsgalopp schon wieder entgegenkommen, weil der nächste Kunde am Nachmittag bereits am Matterhorn wartet. Unvorstellbar, wenn man bedenkt, dass der gleiche Typ morgens um 3 Uhr im Biwak mit seinem alten Sprunggelenksbruch kaum gehen konnte (!).

Der Gipfelaufbau wird noch einmal etwas anspruchsvoller in Sachen Navigation. Am besten anfangs näher am Grat bleiben und dann erst nach rechts in die Flanke. Dort prinzipiell immer am kompaktesten Fels halten, sonst gerät man schnell in wildes Drecksgelände. Sieht man kaum noch Begehungsspuren ist man sehr wahrscheinlich falsch und sollte besser wieder neu ansetzen, anstatt durchzuziehen.

Nach oben hin wird der Fels wieder kompakter. In lässiger IIer-Kletterei taucht unvermittelt nach 3h15min das Gipfelkreuz vor uns auf.

Fast 4500m hoch, freistehend und gewaltig steil abfallend steht es da, das Täschhorn. Dementsprechend großartig ist das Panorama mit der gesamten 4000er-Hörnerkrone des Wallis.

Minimal zähneknirschend schau ich den Verbindungsgrat entlang zum Dom, bin aber schon im nächsten Moment froh da nicht mehr rüberhampeln zu müssen.

Kurze Zeit später kommt auch das nette Schweizer Pärchen und die britische Bergführerin mit ihrem saarländischen Gast vom Biwak oben an, was uns allen nette Gipfelfotos beschert.

Weit unten, mehr als 2200 Höhenmeter tiefer, kann man Ottavan erkennen. Täsch im Tal liegt sogar satte 3000 Höhenmeter unter den Füßen. Der Gipfel ist am Täschhorn nicht einmal die halbe Miete. Ein langer Abstieg steht bevor, deshalb ziehen wir nach einer kurzen Rast gleich weiter.

Den verbrühten Franzosen mit seiner Begleiterin grüßen wir noch am Gipfelaufbau. Sie sind deutlich zu weit in die Flanke gequert ins richtig heikle Gelände, schaffens aber unversehrt zum Gipfel.

2h45min volle Konzentration später sind wir zurück am Mischabelbiwak, sammeln das deponierte Zeugs ein, ziehen die Steigeisen an und stapfen auf den großen Weingartengletscher.

Früher konnte man diesen bis ganz runter latschen, neuerdings muss man vorm Steilabbruch nach links queren auf die Moräne bzw. im Anschluss den Gratrücken. Immer den Steinmännchen folgen. Der Kamm zieht sich gegen Ende zusammen und wird so steil, dass man abklettern und an 1-3 Stellen sogar abseilen muss, an eingerichteten Ständen, bis der Kessel des Weingartensees erreicht ist.

Da ist auch wieder Konzentration gefragt. Der Rest ist auslaufen auf ausgetrampelten Bergpfaden.

Ganz langsam kommen die ersten Häuser näher – die Fata Morgana in Form einer Bierkiste wird Realität. Und weil Thomas die Kolben ganz weit unterm Gepäck verstaut hat im sonnengegrillten Auto und es auch erst früher Nachmittag ist, schütten wir uns endlich eiskalten Gerstensaft die Kehle runter.

Unbedingt im urigen Restaurant, direkt neben dem Parkplatz einkehren. Das Rösti mit Ei und Speck schmeckt göttlich. Ist jeden Cent (und es sind viele Cents) wert.

Noch besser schmecken am Abend unten in Visp auf dem Campingplatz mit Freibad bloß die Spaghetti Carbonara und natürlich die ganzen Pivos aus der Heimat. Thomas konzentriert sich seltsamerweise ausschließlich auf Flüssignahrung, während ich mir nach der Pasta noch ein vorzügliches Käsefondue gönne. Der Energiespeicher muss schließlich wieder aufgefüllt werden.Extragroßes Danke geht an den Campingplatzmitarbeiter an der Rezeption, der mir einfach so eine bequeme Matratze ausgeliehen und damit mein geschundenes Kreuz vor dem sicheren Tod im Zelt gerettet hat.

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